zur prävention und bearbeitung von
grenzverletzendem verhalten -
zum schutz der integrität von menschen

Zweite Fachtagtagung Bündner Standard 13. Mai 2022

«Risikominimierung – Umgang mit Grenzverletzungen in der Arbeit mit Menschen»

Schlagen, spucken, beschimpfen, sexuelle Übergriffe und mehr. Studien zeigen: Wo Menschen zusammenleben und arbeiten, kommen Grenzverletzungen vor. Wegschaue ist keine Lösung! Wodurch aber zeichnet sich ein professioneller Umgang mit solchen Fällen im institutionellen Kontext aus? Faktoren können das Risiko von Grenzverletzungen reduzieren? Wie können Vorkommnisse gut dokumentiert und allenfalls sogar verhindert werden? An der ausgebuchte zweiten Fachtagung zum «Bündner Standard», organisiert von der Konferenz Kinder und Jugend des Bündner Spital- und Heimverbands, haben sich am Freitag, 13. Mai Fachpersonen aus der ganzen Schweiz mit der Thematik auseinandergesetzt. Der «Bündner Standard zum Umgang mit grenzverletzendem Verhalten» breitet sich seit 2011 in Institutionen für Kinder und Jugendliche in der ganzen deutschsprachigen Schweiz aus. Die Regelschule, Sportvereine, Institutionen der Kirchen und Verbände für Erwachsene mit besonderem Unterstützungsbedarf sind daran, den «Bündner Standard» für ihren Bereich zu adaptieren. Linard Bardill eröffnete die Tagung mit Lied und Text und liess die rund 130 Teilnehmenden die Vielschichtigkeit, aber auch Verletzlichkeit des Menschseins erleben. Das erste Hauptreferat von André Woodtli, Chef des Amts für Jugend und Berufsberatung des Kantons ZH, setzte sich mit dem Risiko in der sozialen Arbeit unter dem spannenden Titel «Nötzli schlägt Neptun» auseinander. Risiko lasse sich stets berechnen und aktiv angehen, so dass Vorkehrungen getroffen werden können, um Grenzverletzungen zu reduzieren, so eine seiner Hauptaussagen. Dr. Heidi Simoni, Fachpsychologin für Psychotherapie und Leiterin des Marie Meierhofer Instituts für das Kind, lenkte den Fokus auf die Risiken von Kindswohlgefährdungen wie z.B. die «normale» Überforderung im anspruchsvollen Alltag von Eltern. Um auch in der Familie grenzverletzendes Verhalten zu reduzieren, brauche es einen familienfreundlichen Alltag und bessere Strukturen. Eltern benötigen pädagogische Grundlagen und Geschick aber auch wirtschaftliche Sicherheit und ein kinderfreundliches Umfeld, um Stress und Risiken zu minimieren. An acht diversen «Marktständen» von wissenschaftlichen Studien bis hin zur Thematik der sexuellen Übergriffe im Sport bot sich den Teilnehmenden die Möglichkeit, sich aus erster Hand über Angebote und Studien zu informieren und mit Referent*innen und Tagungsteilnehmenden ins Gespräch zu kommen, um anschliessend mit viel «Bündner Standard» zurückzukehren an ihre Wirkungsstätten.

Angela Hepting
Mitglied Leitungsteam Bündner Standard